Ausfüllhinweise

Wie fülle ich den Innenteil des IBRP aus?
Die wichtigsten Schritte wurden ja bereits beschrieben. Daraus ergibt sich folgendes Vorgehen:

1.
Der Klient wird nach seinem allgemeinen Befinden befragt und darüber, wie er mit seiner psychischen Erkrankung zurechtkommt.
Diese Informationen werden in die Spalte „Aktuelle Situation / Problemlage“ eingetragen in die Zeile „Allgemeines Befinden / Krankheitsbewältigung“.

2.
Aus der (möglicherweise unerwünschten) Ist-Lage wird ein Ziel formuliert und mit dem Klienten verabredet:

Beispiel

Aktuelle Situation:
Hr. M. fühlt sich trotz seiner Psychose insgesamt wohl, klagt aber über diverse Nebenwirkungen der verordneten Medikamente (Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Müdigkeit, gedämpfte Gedanken, Teilnahmslosigkeit).
Er möchte sie am liebsten nicht mehr einnehmen.

Ziel:
Hr. M. kann gegen die Nebenwirkungen seiner Medikamente etwas tun oder aber sie ertragen, weil er weiß, dass sie im Gegensatz zur Psychose „das kleinere Übel“ sind.

3.
Nach und nach werden für alle der vier genannten Lebensbereiche Gegensatzpaare gebildet (Ausnahme: soll etwas so bleiben, wie es ist, dann ist das so zu formulieren).
Es ist darauf zu achten, dass keine Wertungen und Verallgemeinerungen vorgenommen werden („Hr. M. ist…“ ) sondern dass einzelne Probleme ganz konkret formuliert und beschrieben werden. Dabei ist es günstig, möglichst die Formulierung des Klienten zu verwenden. Es ist unwichtig, ob der Plan „perfekt“ ausgefüllt wird.
Wichtig ist, inwiefern der Klient in seine eigene Weiterentwicklung / Problemlösung / Lebensplanung einbezogen wird. „Krankheitsuneinsichtige“ Klienten sehen oft ihre Probleme anders als ihre Helfer, es kommt dann darauf an, die Situation auf mögliche Vor- und Nachteile hin zu untersuchen und so am subjektiven Problemempfinden des Klienten zu arbeiten.

4.
Iächsten Schritt wird gemeinsam mit dem Klienten und / oder mit anderen Helfern (auch Angehörigen) erkundet, über welche Fähigkeiten / Möglichkeiten der Klient schon verfügt, um seine Ziele ohne fremde Hilfe zu erreichen bzw. bei der Zielerreichung aktiv mitzuwirken.
Danach werden all die Hindernisse aufgelistet und eingeschätzt, die einer selbständigen Zielerreichung im Wege stehen. Es geht also bei den Spalten „Ressourcen“ und „Fähigkeiten / Fähigkeitsstörungen“ nicht um die Beurteilung einer Person sondern um die Einschätzung der Möglichkeiten und Probleme bei der Selbsthilfe / Selbststeuerung des Klienten im Hinblick auf seine persönlichen Ziele.
Es ist wichtig, dass der Klient diesen Zusammenhang gut nachvollziehen kann.

Zunächst werden die Möglichkeiten und Fähigkeitsstörungen mit Worten (möglichst denen des Klienten) beschrieben.
Anschließend werden sie auf einem Kontinuum von 0 (kein Problem) bis 3 (massives Hindernis) eingeschätzt.
Als Hilfe empfiehlt es sich, eine so genannte“Visuelle Analog-Skala“ zu verwenden. Dabei schätzt der Klient die Stärke des Hindernisses im Hinblick auf gegensätzliche Pole ein und macht dort ein Kreuz, wo er sein Problem am ehesten einordnet.

Es wäre hier also die „3“ anzukreuzen. Man sollte einfach die Zahl wählen, die am ehesten zutrifft. Wesentlich ist die Aussage darüber, wie viel Hilfe dann der Klient möglicherweise benötigt. Ein Klient mit einer so starken Störung wie in diesem Beispiel benötigt wahrscheinlich auch nicht einfach eine Beratung sondern intensive Übung und Begleitung (was in der Spalte “ notwendige psychiatrische Hilfen“ mit “ 4″ oder “ 5″ zu kennzeichnen wäre).

5.
In der nächsten Spalte ist gemäß dem personzentrierten Ansatz zunächst für jede Fähigkeitsstörung / Barriere einzuschätzen, ob und in welchem Ausmaß „natürliche“ nicht-psychiatrische Hilfen mobilisiert werden können.
„0“ bedeutet dabei, dass keine derartige Hilfe verfügbar gemacht werden kann.
„2“ bedeutet, dass in dem betreffenden Bereich andere Personen wie z.B. Angehörige oder gesetzliche Betreuer, Volkshochschulen usw. eine große Hilfe bieten können, so dass der Klient in diesem Bereich ohne oder nur mit wenig psychiatrischer Hilfe auskommen kann.
Es könnte jedoch sein, dass der Klient sich diese Hilfen nicht selbst erschließen kann (z.B. aufgrund mangelnder sozialer Fähigkeiten). Dann sind in dem Mangel-Bereich psychiatrische Hilfen zu geben (z.B. bei der Aufnahme und Gestaltung von sozialen Beziehungen im Außenbereich eine „4“ anzukreuzen bzw. eine „2“ für Erschließung von Hilfen im Umfeld, z.B. zur Beschäftigung).

6.
Der Übergang zur Einschätzung der notwendigen psychiatrischen Hilfen ist also fließend.
Jedoch ist hier ein wichtiger Unterschied in der Bedeutung der Ziffern zu beachten. Es geht um eine Kategorisierung von Hilfen. Daraus geht nicht unmittelbar hervor, „wie viel“ Hilfe man aufwenden muss (das ist Aufgabe der Maßnahmeplanung, die sich an den IBRP anschließt).
Eine Information und Beratung kann zeitraubender sein als eine begleitende Übung. Alle Hilfen, die hier geplant („angekreuzt“) werden, müssen dann in der nächsten Spalte

7.
„Vorgehen“ genau ausformuliert werden.

Ein Beispiel:

Ein Klient leidet im Rahmen seiner Psychose (schizophrenes Residuum, ICD-10 F 20.5) unter einer Antriebsstörung, die ihn daran hindert, seinen Tag sinnvoll zu verbringen (liegt tagsüber viel im Bett, kann nachts dafür nicht gut schlafen, hat keine Freunde und keine Arbeit, fühlt sich einsam und nutzlos, depressiv).
In der Spalte „notwendige psychiatrische Hilfen“ wurde in der Spalte „Antrieb“ eine „5“ angekreuzt („regelmäßiges intensives individuelles Angebot“ ).
In der Spalte „Vorgehen“ wird dann genau beschrieben:

Natürlich sind diese Festlegungen mit dem Klienten im persönlichen Gespräch vereinbart worden.
Es wird auch deutlich, dass eine so intensive Maßnahme zeitlich begrenzt bleibt. Der IBRP sollte hier also etwa für ein viertel Jahr angelegt werden.

8.
Wer genau mit „Mitarbeiter“ gemeint ist, wird in der letzten Spalte („Erbringung durch“) festgelegt.

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